Saatgut-Alternativen für die nächste Garten-Saison: ein kleiner Wegweiser

IMG_2168Foto oben: Hier haben sich eine grüne und eine dunkelblaue Sorte Dicker Bohnen miteinander verkreuzt. Die Kreuzungen sehen schön getigert aus.


Die kalten Monate sind eine gute Zeit, um seinen Garten zu planen und so auch die Vorfreude auf den Frühling zu steigern. Ich persönlich möchte dieses Jahr wieder relativ früh mit dem Kultivieren von Chilis beginnen, spätestens Ende Februar, damit ich wieder genug Zutaten für eine leckere fermentierte Chili-Sauce habe. Es wird also langsam Zeit sich zu überlegen, was ich an Saatgut benötige, um meine Kultivierungsgelüste zu befriedigen.

Dabei kann man auch ganz praktisch etwas gegen die aktuellen und sehr fragwürdigen Umbrüche im Saatgutmarkt unternehmen, in dem man z.B. auf Saatgut verzichtet, das aus den Züchtungsanstalten von Monsanto, Syngenta oder Dow Chemicals kommt.

Damit will ich nicht sagen, dass dieses Saatgut per se schlecht ist. Nein, es ist rein technisch betrachtet oft extrem hochwertiges Saatgut. Es wurde mit viel technischem Know-How und Kapital entwickelt und produziert. Dadurch ist oft eine sehr gute Keimfähigkeit und ein hoher Ertrag gewährleistet. Außerdem bekommt man fast immer sehr sortenreines Material. Wer also allein an der technischen Qualität von Saatgut interessiert ist und sich um sonst nichts schert, ist hier durchaus gut aufgehoben. Wenn man aber aus Überzeugung ökologisch gärtnert und mit der Vereinnahmung unserer Nahrungsgrundlage, dem Saatgut, durch wenige große Wirtschaftseinheiten ein Problem hat, sollte man sich auf die Suche nach Alternativen begeben.

Der Saatgutmarkt als unübersichtliches Geflecht

Dabei ist es gar nicht so einfach Saatgut zu bekommen, welches nicht von den Großen stammt, da diese durch viele Übernahmen kleinerer Hersteller ihr Vertriebsnetz stark ausgebaut haben. Bei traditionsreichen Saatgutvertrieben wie z.B. Gärtner Pötschke findet man die Tomatensorte Vitella F1, die von De Reuters Seeds gezüchtet wurde und wirtschaftlich mit Monsanto verwoben sind. Auch bekannte Traditionelle Saatgutmarken vertreiben Monsanto-Saatgut, wie z.B. Kiepenkerkel. Generell ist der Saatgutmarkt durch die starken Verflechtungen ziemlich unübersichtlich.

Der einfachste Weg ist daher auf Saatgut-Quellen zurückzugreifen, die sich klar von den großen Playern distanzieren. Im folgenden Abschnitt werde ich ein paar solche Alternativen vorstellen.

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Die Leipziger Winterbohne, eine regionale Sorte, die ich aus der Genbank in Gatersleben habe.

Ein paar alternative Saatgutquellen

Es gibt eine große Anzahl von Saatgut-Tauschbörsen in Deutschland. Eine gute Übersicht findet man z.B. im Kalender des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt. Saatgut-Tauschbörsen finden sich mittlerweile in der ganzen Republik, z.B. in Bautzen, Bonn, Braunschweig, München, Düsseldorf und vielen anderen Orten. In Leipzig gibt es z.B. beim Ökolöwen eine jährliche Saatguttauschbörse, ein Termin steht aber wohl noch nicht fest.

Natürlich gibt es auch im Internet eine Reihe von Möglichkeiten samenfestes Saatgut zu tauschen. Zu nennen wäre z.B. saatgut-tauschen.de. Hier fehlen allerdings bisher Sortenbeschreibungen, die doch für die Kultivierung nicht ganz unwichtig sind. Hier könnte man also nochmal nachbessern. Dann gibt es auch mehrere Facebook-Gruppen, wie die Saatgut-Tauschbörse oder die Bio-Saatgut-Tauschbörse.

Eine weitere Saatgutquelle ist die Saatgutdatenbank des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), auf der man online Saatgut bestellen kann. Hier findet man detaillierte Sortenbeschreibungen und bei den Saatgutproduzenten handelt es sich um erfahrene GärtnerInnen. Der VEN ist eine gemeinnützige Organisation zur Erhaltung samenfester Nutzpflanzensorten. Auch bei Arche Noah, einer Erhalterorganisation aus Österreich, bekommt man ein breites Saatgut-Sortiment.

Kommen wir nun zu den kommerziellen Anbietern. Bingenheimer vertreibt Biosaatgut verschiedener Züchter darunter auch von den Biozüchter-Pionieren von Kultursaat. Melanie-Grabner bietet auf ihrem Webshop Lila Tomate eine große Tomatenvielfalt an. Bei der Chilifee Claudia Weigel bekommt man eine riesige Vielfalt an samenfesten Chilisorten. Hier habe ich kürzlich Chilisaatgut bestellt und freue mich schon auf die Aussaat. Dreschflegel ist eine weitere, sehr reichhaltige Quelle für alle möglichen Gartenkulturen und Biosaatgut. Die Dreschflegel-Gemeinschaft ist ein Zusammenschluss mehrere Bio-Saatgutbetriebe und versteht sich nicht nur als Unternehmen sondern auch als politisch engagierte Gruppe. Sehr lesenswert ist der gedruckte Saatgutkatalog „Saaten und Taten“ in dem neben dem Saatgutsortiment eine Reihe interessanter Artikel zu finden sind.

Für experimentierfreudige Gärtnerinnen bietet sich auch noch die Genbank am IPK in Gatersleben an, bei der man aus einem riesigen Fundus von Sorten wählen kann, die in den Kühlräumen des Institutes lagern. Hierher habe ich z.B. auch die Leipziger Winterbohne, einer der wenigen regionalen Sorten aus Leipzig und Umgebung.

Potential für Verbesserung…

Einen kleinen Wermutstropfen muss ich allerdings in den „Alternativen-Tee“ geben. Rein technisch kann Saatgut aus Tauschbörsen aber auch der kommerziellen Anbieter in einigen Fällen nicht ganz mit dem Saatgut der ganz großen Züchter mithalten. Hier spreche ich aus eigener Erfahrung und Berichten anderer Gärtner. Mal ist die Keimfähigkeit nicht so gut, mal handelt es sich um eher unbrauchbare Sortenkreuzungen, einige angebotene Sorten wurden nicht hinreichend selektiert, so dass sie weder einen guten Ertrag haben noch besonder gut schmecken.

Beim Gärtnern im eigenen Garten geht es aber natürlich nicht nur um technische Qualität sondern um viel mehr, so dass man dass gut verschmerzen kann. Außerdem bekommt man auf Tauschbörsen ja nicht nur das Saatgut sondern auch spannende Geschichten oder findet neue soziale Kontakte.

Außerdem ist dies ein Zeichen dafür, dass noch mehr Energie in die Entwicklung von Saatgut-Alternativen fließen sollte, um die Qualität des Materials zu verbessern. Züchtung, Sortenerhaltung und Saatgutproduktion erfordern viel Wissen und Ressourcen, die in den letzten Jahren eben vor allem von einigen Unternehmen angereichert und monopolisiert wurden. Dies sollte nicht entmutigen sondern ein Ansporn für diejenigen sein, die sich für eine ökologische und soziale Entwicklung von Saatgut einsetzen.

Falls ihr noch weitere gute Saatgut-Quellen kennt bitte einfach als Kommentar posten.

Zum Schluss noch ein paar Bilder meiner absoluten Lieblings-Früchte in unserem Garten von 2015, den Chilis:

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6 Gedanken zu „Saatgut-Alternativen für die nächste Garten-Saison: ein kleiner Wegweiser

  1. Pingback: Saatgut-Alternativen für die nächste Garten-Saison: ein kleiner Wegweiser | Querbeet Leipzig

  2. Hallo, habt ihr noch von der dicken Bohne(Leipziger Winterbohne) auch von den Verkreuzungen etwas?
    Ich würde die Sorten gerne dokumentieren und im Bohnen-Atlas einpflegen und die Verkreuzungen samenfest über dei Bohnen Schatzkiste ziehen.

    lieben Gruß Cordula

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  3. Pingback: Saatgut-Tauschbörse im Haus der Demokratie | Querbeet Leipzig

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