Improvisiertes Kochen: kreatives Umgehen mit dem Gegebenen

topf cut2Foto Links: Hier seht ihr, wie in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet gekocht wird. Auch hier wird gelegentlich kulinarisch improvisiert.


Über die letzten Jahre hinweg habe ich mich bemüht das Kochen (und natürlich auch das Fermentieren) so halbwegs zu erlernen. Anfangs habe ich nach Rezepten aus Kochbüchern, aus den Weiten des Internets  oder aber nach Rezepten  von Freunden und Bekannten gekocht. Dann habe ich angefangen meine eigene Rezeptsammlung anzulegen (ganz offline in einem Ordner). Mit der Zeit hatte ich dann einiges im Kopf, so dass ich mich nach den Rezepten in meinem Kopf richten konnte. Meist läuft das dann so ab: Ich habe eine Idee oder ein Rezept und dann gehe ich die passenden Zutaten einkaufen.

Über die letzten Monate hinweg bin ich öfter mal in die Situation gekommen kulinarisch zu improvisieren. Kulinarische Improvisation heißt für mich mit den gegebenen  Umständen also Zutaten und Küchenwerkzeugen eine Idee zu entwickeln und diese zu kochen. Ich empfinde dies als einen durchaus kreativen Akt. Situationen, die kulinarische Improvisation erforderten, waren z.B. ein arg begrenztes Budget oder fehlende Zeit und Lust für den Einkauf von Lebensmitteln nach Rezept. Hier galt es dann mit dem auszukommen, was sich schon im Kühl- und Küchenschrank befindet. Am meisten Freude hat mir die kulinarische Improvisation im Rahmen von Kochaktionen für foodsharing Leipzig gemacht. Hier hatten die Foodsaver (Lebensmittelretter) Lebensmittel aus Leipziger Supermärkten gerettet, die eigentlich in der Tonne landen sollten. Daraus wurde dann ein Menu für das 25-jährige Jubiläum von Greenpeace Leipzig gekocht.

Man steht plötzlich vor dem „Gemüsehaufen“ und muss überlegen, was man daraus macht. Spontaneität ist nicht gerade meine Stärke. Aber es hat durchaus einige Male recht gut geklappt und es sind leckere Sachen dabei rausgekommen, die ich so niemals gekocht hätte. Beim letzten Mal gab es z.B. eine Art Tomaten-Kohl-Paprika -Eintopf. Zuerst haben wir einen Sud aus Zwiebeln und Tomaten gemacht (circa. 30 Min köcheln lassen), dann kamen die Sachen rein, die vor allem lange Garzeiten haben (der Kohl) am Ende folgten Gemüse mit kurzen Garzeiten (Paprika und Zucchini). Diese Vorgehensweise entspricht übrigens dem sogenannten Eintopf-Prinzip. Als Gewürze hatten wir lediglich Salz, Pfeffer, eine Chilipaste und etwas Rosmarin (Knoblauch gabs nicht). Der Eintopf war sehr lecker, auch wenn er vielleicht keine Sterneküche repräsentierte.

Es entstanden auch andere leckere Sachen, die die Foodsaver improvisiert haben. Es gab z.B. einen Steckrüben-Brotaufstrich (hätte nie gedacht, dass so was geht, war aber sehr lecker) und einen Gemüse-Mango-Couscous, der in Ermangelung an Couscous mit Bulgur zubereitet wurde (ebenfalls sehr lecker). Das Honig-Senf-Salatdressing musste ohne Honig auskommen (dafür war schlicht Zucker drin, ja nicht so „Öko“ aber trotzdem lecker). Als Nachtisch haben die Foodsaver unter anderem einen Birnen-Crumble (Birnen mit Streuseln überbacken) zubereitet.

Ich kann in dem improvisierten Kochen durchaus auch einen tieferen Sinn erkennen. Es geht darum, mit dem Gegebenen seine Bedürfnisse auf kreative Weise zu stillen, statt diese durch Konsum zu befriedigen. Natürlich werde ich auch wieder nach Rezept kochen, insbesondere wenn ich etwas besonders leckeres machen möchte. Ich möchte aber auch besser darin werden mit dem Gegebenen auszukommen. Dies können gerettete Lebensmittel sein oder aber das, was Küchen-und Kühlschrank oder auch der Garten gerade hergeben.

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