Traditionelle Waldgärten in Sri Lanka: biologische Vielfalt und kleinbäuerliche Strukturen

IMG_5565Foto oben: Patrice mit einer Gärtnerin und einem SOFA-Angestellten in einem Waldgarten.


Was mich in Sri Lanka sehr beeindruckt hat, ist die Idee, die Schönheit und das Engagement für den traditionellen Sri Lankischen Hausgarten, dem sogenannten Waldgarten. Nach einigen Mühen haben wir es geschafft einen richtigen Waldgarten zu besuchen, ihn zu erleben und mit den Gärtnerlnnen zu sprechen.

Um uns solche Waldgärten anzuschauen, mussten wir einiges an Überzeugungs- und Recherche-Arbeit leisten. Wir haben einige Sri Lankische Biounternehmen angefragt und sind letztlich bei der Small Organic Farmers Association (SOFA) gelandet. Dies ist ein Zusammenschluss aus mehr als 2000 traditionellen Hausgärten (home gardens). Die SOFA ist biozertifiziert und fairtrade-zertifiziert und ermöglicht den Betreibern der teils sehr kleinen Hausgärten einen praktikablen und ökonomischen Zugang zu diesen teils sehr aufwendigen Zertifizierungssystemen. Damit übernimmt die SOFA eine wichtige Rolle bei dem Erhalt der traditionellen Hausgärten.

Hausgärten in Sri lanka sind allerdings weit mehr als biozertifizierte Gärtnereien. Es handelt sich hier meist um sogenannte Waldgärten. Dies sind komplexe Mini-Ökosysteme mit einer, im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft, enormen Artenvielfalt. Ein Waldgarten ist damit das krasse Gegenteil monokultureller und industrieller (Bio-) Landwirtschaft. Hier kann man die Schönheit vieler Arten und eines komplexen Ökosystems erleben.

Wir haben uns zwei Waldgärten in Gambale im Sri Lankischen Hochland angeschaut. In einem solchen Garten konnten wir das sinnliche Licht- und Schattenspiel zwischen den Blättern von Avokado- und Muskatnussbäumen genießen. Die biologische Vielfalt ist direkt erlebbar, wenn man durch Zimt-, Vanille-, Pfeffer-, Tee- und Chilipflanzen schlendert. Gleichzeitig erschließt sich uns anschaulich, wie ein kultiviertes aber dennoch naturnahes Ökosystem funktioniert.

Das Haus der meisten Gärtnerlnnen und Gärtner liegt mitten im wunderschönen Garten. Ein Teil der Ernte wird für die eigene Familie verwendet. Ein weiterer Teil geht mit Bio- und Fairtrade-Siegel versehen an zahlungskräftige europäische Kunden. Völlig ungesiegelt, aber unter gleichen Bedingungen angebaut, landet ein anderer Teil zu relativ geringen Preisen auf dem lokalen Markt.

Ein Waldgarten ist eine Mischung aus einem natürlichen Ökosystem, dem tropischen Regenwald und einem kultivierten Sytem, dem Garten.
Hier ist es der Anspruch die Bedürfnisse der Menschen (Früchte, Gemüse, Gewürze) mit den Bedürfnissen der Natur (viele Tier- und Pflanzenarten können im Waldgarten koexistieren) zusammenzubringen.

Das Waldgarten-Konzept ist den europäischen Biosiegelsystemen fremd und so wissen auch die meisten Biokonsumenten davon nichts.
Dies verdeutlicht die Grenzen des Biozertifizierungssystems. Es spiegelt nicht die notwendige Anpassung der Landwirtschaft an die Bedürfnisse lokaler Ökosysteme.

Neben dem Erhalt traditioneller Gartenformen bemüht sich die SOFA auch um eine demokratische Organisation. SOFA ist in mehrere Untergruppen unterteilt, die kleinen Dörfern entsprechen. Diese schicken Vertreter in eine Generalversammlung, um z.B. Beschlüsse über die Verwendung der Fairtrade-Prämie zu fassen. Mit diesen Mitteln werden zum Beispiel Vorschulen finanziert. Ausserdem werden kleine Start-Up-Projekte gefördert, wie die Nachzucht junger Teesetzlinge oder ein Textilladen in einem Dorf. Hierdurch wird die Einkommensbasis verbreitert.

Am Ende unserer Reise haben wir uns noch einen Gewürzverarbeitungsbetrieb in Colombo angeschaut, der die Gewürze der SOFA verarbeitet. Gerade als wir kamen, wurde eine frische Lieferung Muskatnüsse ausgeladen, so dass das ganze Gelände einen würzigen Duft versprühte. Als Mitbringsel für Leipzig haben wir dort 2 kg Pfeffer und 450 g Ceylon-Zimt gekauft. Beides stammt direkt aus den Gärten der SOFA. In Leipzig landen dann frischer Sri Lankischer Pfeffer und Zimt in unseren nächsten Kochkreationen.

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3 Gedanken zu „Traditionelle Waldgärten in Sri Lanka: biologische Vielfalt und kleinbäuerliche Strukturen

  1. Wirklich toll, was du vermittelst. Die Sache mit den Gärten könnte man doch auch bei uns bekannt machen. Die Vielfalt, die entsteht, bin ganz begeistert Ich glaube Johannes, du hast deines gefunden, da schlägt dein Herz für solche neue alte Dinge und mithilfst auf dieser Erde uns das Vergessene wieder in Erinnerung bringst, was Pflanzen, gute Ernährung, sinnvolles in regionalen Bereiches macht. Eva

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  2. Pingback: Wechsel von Leipzig nach Witzenhausen und neues Mischkultur-Projekt | BioKultur

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