Waldgärten, Kaffee und Kompost in Sri Lanka: zu Besuch bei Lawrence Goldberg

IMG_5368Foto oben: Zusammen mit Patrice habe ich Lawrence Goldberg (mit Hut) besucht. In einem Workshop konnten wir lernen, wie man einen guten Kompost kreiert.


In Colombo, der größten Stadt Sri Lankas, hat Patrice ein kleines gemütliches Cafe entdeckt, in dem man außerordentlich leckere Kaffee-Spezialitäten bekommt. Die Kaffeebohnen für diese Leckereien werden auf Sri Lanka angebaut und in einer kleinen Rösterei verarbeitet. Bei einem erfrischenden Eiskaffee hatten wir einen kleinem Plausch mit Lawrence Goldberg, dem Besitzer der Rösterei und des Cafés. Lawrence stammt aus dem sonnigen Californien und ist dort Bio-Landwirt gewesen. Seit Beginn der 80iger lebt und engagiert er sich auf Sri Lanka.

Lawrence erläuterte uns, dass Kaffee aus Sri Lanka etwas ganz Besonderes ist. Heute findet man auf Sri Lanka fast nur noch Teeplantagen. Nach regionalem Kaffee sucht man meist vergebens. Früher war das anders. Noch bevor der kommerzielle Teeanbau begann, gab es viel Kaffeanbau auf der Insel. Nach einem massiven Pilzbefall der Kaffee-Pflanzen stellte man auf den Teeanbau um. Jetzt macht aber auch der großflächige Anbau von Tee-Monokulturen Probleme. Der massive Einsatz von Pestiziden und synthetischen Düngemitteln führt einerseits zur Dezimierung einheimischer Arten. Andererseits verursacht der Teeanbau in großflächigen Monokulturen, der meist an Berghängen stattfindet, eine starke Erosion des Bodens (besonders während der Monsun-Zeit).

Aus diesem Grund bezieht Lawrence seinen Kaffee vorzugsweise aus sogenannten Waldgärten. In einem Waldgarten wachsen viele verschiedene, sich ergänzende Nutzpflanzen. Große Kokospalmen, Avokado- und Muskatnussbäume lassen sich nicht nur beernten, sondern schützen durch ihre Wurzeln den Boden vor Erosion. Außerdem spenden sie Schatten für andere Nutzpflanzen wie Kaffee, die halb-schattige Standorte bevorzugen. In solchen Gärten wachsen auch oft viele Gewürze, wie Chilis, Pfeffer, Vanille oder Zimt. Ein solcher Waldgarten sieht für einen Europäer wie mich schon fast aus wie ein Dschungel: sehr wild, voller Vielfalt und mit vielen hohen Bäumen.

Einige Tage nach dem Plausch mit Lawrence in Colombo sind wir seiner Einladung gefolgt und haben seine kleine Kaffeemanufaktur im Hochland Sri Lankas bei Nuwara Elia besucht. Hier hat uns Lawrence seine alte Röstmaschine gezeigt, die so aussieht, als stamme sie noch aus dem 19. Jahrhundert. Solche oldschool Maschinen erfordern noch sehr viel Handarbeit. Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser vorsintflutlichen Technik schmeckt Lawrence Kaffee hervorragend. Lawrence erklärte uns auch, wie man in mühseliger Handarbeit die guten von den mit Schädlingen befallenen Kaffeebohnen unterscheidet.

Neben Kaffee stellt Lawrence auch noch eine sehr leckere Schokolade her. Die Schokolade besteht ausschliesslich aus Kakaobohnen und einem geringen Anteil Zucker. Dieser bildet kleine Kristalle in der Schokoladentafel. Das ist ein ganz besonderes Mundgefühl und schmeckt hervorragend.

Nach einer kleinen Kaffeepause hatten wir noch die Gelegenheit an einem Kompostworkshop von Lawrence teilzunehmen. Guter Kompost ist die absolute Grundlage für eine gute Landwirtschaft und damit letztlich auch für den Kaffee in der Tasse und die Schokolade. Mindestens sechs Kompostschichten werden bei Lawrence‘ Methode übereinander gestapelt. Jede einzelne Schicht besteht aus Pflanzenkompost, Kuhdung, Dolomit und Steinphosphat. Das war fast wie beim Torten- oder Auflauf-Backen.

Am nächsten Tag durften wir noch den Garten von
Lawrence besuchen. So konnten wir direkt vom Feld vollreife Erdbeeren schlemmen und knackige Möhren verkosten. Mein Favorit war der würzige Rettich. Diesen haben wir am nächsten Tag zusammen mit leckeren Samosas (frittierten Teigtaschen mit einer würzigen Gemüsefüllung) bei einem Picknick in den Horton Plains (einer idyllischen, auf einer Hochebene gelegenen Wald-Heidelandschaft) verspeist.

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