Deutsche Sojabohnen für Tofu, Tempeh und Miso?

Glycine_max_003 KopieFoto links: Hier seht ihr das Objekt der Begierde, die Sojabohne (lat. Glycine max), Foto von H. Zoll, lizensiert durch CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons, Quelle.


Die Sojabohne (lat. Glycine max) ist mittlerweile zu einem der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte geworden. Dies liegt vor allem an der ernährungsphysiologisch sehr günstigen Aminosäurezusammensetzung von Soja. Die Bohne hat einen hohen Anteilen der Aminosäure Lysin, die in anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln, wie Getreide meist nur in sehr geringen Anteilen vorkommt. Allerdings hat Soja relativ geringe Mengen an schwefelhaltigen Aminosäuren. Kombiniert man Soja aber mit Getreide ergibt sich eine sehr hohe biologische Wertigkeit, die der von Ei in nichts nachsteht (Young und Pellet 1994).

Deshalb ist Soja ein Hauptproteinlieferant für die europäische Viehzucht. Soja wird aber auch zunehmend für vegane Fleischersatzprodukte, wie Tofu und Tempeh und in Milchersatzprodukten, wie Sojajoghurt und Sojamilch verarbeitet. Auch die japanische Würzpaste Miso und die allseitsbekannte Sojasauce werden aus fermentierten Sojabohnen hergestellt.

Ursprünglich ist die Sojabohne eine tropische Pflanze mit einem hohem Wärmebedarf, ausgeprägter Frostempfindichkeit und langer Reifedauer. Deshalb wird fast der ganze deutsche und europäische Sojabedarf über Importe aus Brasilien und Argentinien gedeckt. 32 Millionen Tonnen Soja werden jährlich aus Nord- und Südamerika in die EU importiert. Die Fleischproduktion in der EU und Deutschland aber auch die Produktion veganer Produkte aus Soja macht uns extrem abhängig von Importen. Ohne diese Importe wäre vor allem die Fleischproduktion auf dem derzeitigen Level nicht möglich.

Außerdem wird Soja meist unter sehr fragwürdigen ökologischen Bedingungen erzeugt (Einsatz von Pestiziden u. Herbiziden).  Mittlerweile sind 80% der Fläche des Sojaanbaus mit genetisch veränderten Bohnen bepflanzt. Deshalb ist auch ein Großteil der bei uns verarbeiteten oder verfütterten Sojabohnen gentechnisch verändert.

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Abb. links: Anteil der Anbaufläche genetisch veränderten Soja weltweit, Quelle ww.transgen.de

 

 

 

Sojasorten für Deutschland

Aus diesem Grund wird der Sojaanbau in Deutschland derzeit verstärkt vorangetrieben unter anderem durch das vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderte Sojanetzwerk. Außerdem fördert die EU den Soja-Anbau mit einer sogenannten Greening-Prämie von 87 Euro pro Hektar. Während in 2012 lediglich 5000 Hektar mit Sojabohnen bestellt wurden, waren es 2015 bereits 11 000 Hektar. Im Vergleich zum Mais mit 2,5 Millionen Hektar ist das aber immer noch wenig. Die größten Anbauflächen liegen in Baden-Württemberg und Bayern.

Neben diesen staatlichen Förderungen gibt es auch ein interessantes Kooperationsprojekt von Wirtschaft und Wissenschaft. Der Tofu-Hersteller Taifun hat zusammen mit der Universität Hohenheim ein Projekt zur Entwicklung von lokalen Sojasorten angestoßen. Bei dem Projekt 1000 Gärten können sich alle erfahrenen Hobbygärtner oder Profis beteiligen. Man kann sich online registrieren und bekommt eine Reihe verschiedener Sojasorten zugeschickt. Während der Saison beobachtet man die Entwicklung der Sorten genau und schickt das geerntete Saatgut an Taifun. Für unseren Gemeinschaftsgarten Querbeet habe ich schon eine Ladung Sojasaatgut bestellt.

Einem Bericht der ZEIT zur Folge sind die ersten Anbauversuchen aber durchaus eine Herausforderung. Pilze und Unkraut scheinen der Sojabohne in unserem gemäßigtem Klima zu schaffen zu machen. Es muss sich also noch zeigen, ob sich eine dem gemäßigten Klima angepasste Sojabohne züchten lässt und ob diese dann auch einen ausreichend hohen und stabilen Ertrag liefert, um unter wirtschaftlichen Bedingungen Soybeanvarieties Kopiekonkurrenzfähig zu sein. Vielleicht macht es mehr Sinn sich auf Nutzpflanzen als Proteinquellen zu konzentrieren, die schon lange bei uns vorkommen und entsprechend klimatisch angepasst sind?

Viele weitere Infos zur Sojabohne, ihren Inhaltsstoffen und den verschiedenen Produkten aus Soja findet ihr hier. Eine Übersicht über deutsche Hersteller von Sojaprodukten findet ihr hier.


Foto Links: Verschiedene Sorten von Sojabohnen, von Scott Bauer, Lizensiert als Public Domain via Commons, Quelle.

 

Soja-Alternative Lupine

Neben der Sojabohne gibt es aber auch noch die Süßlupine. Diese sind schon lange in unseren gemäßigten Breiten einheimisch und deshalb gut an unser Klima angepasst. Sie wachsen auch in den nördlichen Teilen Deutschlands besser als Soja. Bisher werden Lupine aber vorwiegend als Viehfutter oder zur Gründüngung eingesetzt. Lupine haben wie die Sojabohne einen sehr hohen Protein- und einen geringen Stärkeanteil. Außerdem haben Lupine ein der Sojabohne sehr ähnliches, ernährungsphysiologisch günstiges Aminosäuremuster. Mittlerweile gibt es z.B. Tempeh und Miso aus Lupinen.

Lupine hatten ursprünglich viele Bitterstoffe (Alkaloide), die für Menschen und Tiere in großen Mengen toxisch sind. Deshalb mussten Lupine damals gewässert werden, um die Bitterstoffe auszulaugen. Zunehmend wurden die Bitterstoffe jedoch in den modernen Lupinensorten herausgezüchtet. Dies erleichtert die Verarbeitung. Allerdings ergeben sich dadurch neue Problem im Anbau der Lupine (Münster 2015). Die Bitterstoffe bilden einen Fraßschutz gegen Schädlinge, der den modernen Lupinensorten fehlt. Die Lupine ist so relativ anfällig und benötigt sehr gute Anbaubedingungen (Boden) und ist auf die Menschliche Pflege stark angewiesen. Dies ist eine Form des Domestikationssyndroms (Gepts 2004), durch das die Nutzpflanzen zunehmend abhängiger vom Menschen werden.

Es gibt aber Bemühungen nicht-bittere aber trotzdem resistente Lupinensorten zu züchten (Münster 2015). Ich habe mir sowohl weiße als auch blaue Süßlupinen-Samen bestellt und werde sie im nächsten Frühjar in unserem Gemeinschaftsgarten anpflanzen. Mehr Infos zu Lupinen findet ihr auf der Seite des Lupinenfördervereins.

Grenzen der Proteinproduktion in Deutschland

Mir scheint es trotz aller Bemühungen im Moment sehr fraglich, ob wir den enormen Proteinhunger unserer Viehzuchtbetriebe mit einheimischen Lupinen oder Sojasorten stillen können. Es wären große zusätzliche landwirtschaftliche Flächen notwendig, die uns wiederum viele natürliche oder naturnahe Ökosysteme kosten würden. Alternativ müssten andere Kulturen, wie Mais oder Raps reduziert werden. Wahrscheinlich wäre deutsches Soja als Viehfutter auch viel zu teuer. Parallel zur Entwicklung neuer Sorten sollte man also daran arbeiten den Fleischkonsum in Deutschland und der EU massiv zu reduzieren und direkt pflanzliche Lebensmittel als Proteinquelle in unseren Küchen zu verwenden. Dies würde den Bedarf an Soja enorm verringern.

Literatur

Gepts, P. (2004). Crop domestication as a long-term selection experiment. Plant breeding reviews24(2), 1-44.

Münster, E. (2015). Im Kommen: Die weiße Lupine. Ökologie und Landbau, 2015(4). S40-41.

Young, V. R., & Pellett, P. L. (1994). Plant proteins in relation to human protein and amino acid nutrition. The American journal of clinical nutrition59(5), 1203S-1212S.

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