Lebensmittel, das superindustrialisierte Ernährungssystem und die Klimakonferenz in Paris

UN_Rio_de_Janero_Earth_Summit_1992Foto oben: 1992 wurde die Klimarahmenkonvention in Rio de Janeiro beschlossen. In Paris findet jetzt  vom 30.11 bis 11.12.2015 die mittlerweile 21. Klimakonferenz der Mitgliedsstaaten der Konvention statt .


Es ist wichtig ab und zu mal seinen Blick zu öffnen und sich jenseits der eigenen Lebenswelt mit globalen Phänomenen und gesellschaftspolitischen Prozessen zu beschäftigen. Mit der Klimawandelthematik habe ich mich aber länger nicht mehr beschäftigt. Ich hatte das Thema einfach zu oft gehört und und ich fand es zunehmend ermüdend. Außerdem zeigte sich, dass einige der mit großer Dramatik prognostizierten negativen Konsequenzen wahrscheinlich nicht eintreffen werden. Ursprünglich wurde z.B. vom Weltklimarat und vielen Umweltorganisationen behauptet es sei erwiesen, dass der Klimawandel zu einem Verlust der biologischen Vielfalt führe. Der Weltklimarat äußert aber in seinem neusten Sachstandsbericht erhebliche Bedenken gegenüber der Aussage, dass  der Klimawandel global zu einem Nettoverlust der Artenvielfalt führt. Dies hat meinerseits zu einem stark sinkenden Interesse an der Klimawandelthematik geführt. Das war möglicherweise ein Fehler.

In der kommenden Woche findet die nächste Runde der globalen Klimaverhandlungen in Paris statt. Es soll ein neues verbindliches Klimaabkommen beschlossen werden, um die Staaten dieser Welt zum Handeln zu bewegen. Denn offensichtlich bewegt sich die „Weltgemeinschaft“ immer noch in die falsche Richtung. Das Jahr 2015 wird wohl das wärmste Jahr seit der Aufzeichnung von Klimadaten auf unserem Planeten werden. Die Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre hat kürzlich erstmals die Rekordmarke von 400 ppm (globaler Durschnittswert) überschritten.

Lebensmittel und Klimawandel

Lebensmittel und Ernährung spielen eine wichtige Rolle bei der Verursachung des Klimawandels. Der Anteil der Lebensmittel an den Treibhausgasemmissionen beträgt je nach Schätzung für Deutschland 14-22% (WWF 2012). Bei diesen Schätzungen handelt es sich nur um die direkt durch die Lebensmittelproduktion verursachten Emissionen. Indirekte Emissionen könnten diesen Anteil auf bis zu 30% erhöhen. Indirekte Emissionen ergeben sich durch Landnutzungsverschiebungen, also wenn z.B. durch Fleischkonsum die Nachfrage nach Sojafuttermitteln steigt, was wiederum zur Rodung von Regenwäldern führt.

In vielen Staaten der EU ist der Fleischkonsum leicht rückläufig oder stagniert auf hohem Niveau. Dagegen steigt er in China und Indien massiv an. Setzt sich der momentane Trend fort, steigt die globale Fleischerzeugung von derzeit 300 auf 500 Millionen Tonnen. Dadurch bedingt, könnte sich die Sojaproduktion für Futtermittel von 260 auf über 500 Millionen Tonnen fast verdoppeln (Quelle der Zahlen ist Fleischatlas).

Eine weitere Verbindung von Lebensmitteln und Klima ist die Gefährdung der Lebensmittelproduktion insbesondere in Regionen der Welt, die zunehmend trockener werden oder mit einer Zunahme von Wetterextremen konfrontiert sind. Dies könnte in Zukunft zu weiteren Migrationsbewegungen Richtung Europa führen.

Slow food hat darauf aufmerksam gemacht, das bei den Klimaverhandlungen in Paris vor allem die Sektoren Mobilität, Schwerindustrie und Energie auf der Agenda stehen. Lebensmittel und Ernährung spielen keine prominente Rolle.

Alternativen zum superindustrialisierten Ernährungssystem 

Der derzeitige Trend in der Lebensmittelproduktion geht hin zu einer immer größeren Produktion mit immer höherem Industrialisierungsgrad. Statt einer Fokussierung auf eine weitere Steigerung der Produktionsmenge und des Industrialisierungsgrades fordert Slow Food ein alternatives Ernährungssystem also eine andere Organisation des Komplexes aus Lebensmittelproduktion, -Handel und -Konsum. Dem stimme ich zu, aber meiner Meinung nach ist nicht Industrialisierung per se das Problem. Wir leben zunehmend nicht mehr in einem industriellen sondern einem super-industrialiserten Ernährungssystem. Dieses System ist in einer absurden Wachstums- und Rendite-Logik gefangen. Deshalb brauchen wir keine totale Deindustrialisierung. Wir brauchen einen sinn- und maßvollen Einsatz von Technik und rationellen Prozessen.  Die Klimaverhandlungen sind ein Anlass sich stärker mit Alternativen zum superindustrialisierten Ernährungssystem zu beschäftigen und vor allem mit diesen zu experimentieren. Auf die Verhandlungen in Paris sollten man sich wohl nicht verlassen.

Aktuelles und Hintergrundinformationen rund um den Klimagipfel gibt es auf den Websites der FAZ und der ZEIT. Einen weiteren Bericht zum Thema Klimawandel und Flüchtlinge findet ihr beim Spiegel.

Literatur

WWF (2012) Klimawandel auf dem Teller.

 

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