Ganz schön rot: Sauerkraut mit Rotkohl und Äpfeln selbst gemacht

IMG_4300Ready to ferment: Werkzeug, Zutaten und The Art of Fermentation von Sandor Katz.


In letzter Zeit habe ich relativ viel mit der Recherche, Büchern und Zahlen zum Thema Lebensmitteln verbracht, z.B. zu den Themen Welternährung und Lebensmittelethik. Gestern abend habe ich mir dann endlich wieder mal richtig viel Zeit für die eigene Küche genommen. Ich hatte mir schon lange vorgenommen mal selber Sauerkraut zu machen, um meine praktischen Erfahrungen in Sachen Fermentation auszubauen. Nun ist es ein rotes Sauerkraut geworden. Folgendes ist an Zutaten drin: 2 Köpfe Rotkohl, 5 Äpfel, Pfeffer, Piment und Salz. An Equipment hatte ich neben den üblichen Küchenutensilien einen Gärtopf (Foto oben: das ist der braune Keramiktopf mit Deckel), einen Holzstampfer und Gewichte zum beschweren (das sind die beiden Halbkreise auf dem Foto oben).

Zuerst habe ich die äußersten Kohlblätter entfernt und zur Seite gelegt. Dann habe ich den Kohl geviertelt und den Strunk entfernt. Nun habe ich ihn mangels eines vernünftigen Hobels mit einem großen Küchenmesser in schmale Steifen zerlegt (ich schau mich demnächst mal nach einem vernünftigen Krauthobel um, das ist praktischer). Als nächstes habe ich den Kohl samt einer ordentlichen Ladung Salz (2% des Kohlgewichtes) und die Gewürze in eine Schüssel gegeben und vermengt und einige Zeit stehen lassen (ca. 30 Minuten) bis der Zellsaft aus dem Kohl ausgetreten ist. Das war eine wunderbar rote Suppe (Foto unten). Als nächstes habe ich die Äpfel in kleine Stücke geschnitten.

IMG_4316Rotkohl ist innen wunderschön, ein Kunstwerk der Natur.


Dann habe ich immer einen Teil des Krautes und der geschnittenen Äpfel in den Gärtopf gegeben und mit dem Holzstampfer gestampft. Dadurch werden die Zellwände aufgeschlossen und noch mehr Saft kann austreten. Am Ende war über dem Kraut tatsächlich eine ordentliche Schicht roter Flüssigkeit ohne die Zugabe von zusätzlichem Wasser (Foto unten).

Die Rote Färbung des Zellsaftes kommt durch die Anthocyane des Rotkohls zustande. Ist der Boden auf dem der Kohl gewachsen ist eher sauer, so färben sich die Anthocyane rötlich. Bei basischem Boden entsteht eine bläuliche Farbe. Mein Kohl ist also wohl auf eher saurem Boden gewachsen. Außerdem wird die Farbe durch die Zubereitung beeinflusst. Bereitet man Rotkohl sauer zu (mit Essig) färbt er sich rot, bereitet man ihn basisch zu (mit Backpulver oder Natron) färbt er sich bläulich. Daher kommen die verschiedenen Bezeichnungen „Rotkraut“ und „Blaukraut“. Chemisch gesehen ist Rotkohlsaft also ein Indikator für den PH Wert.

Zum Schluss habe ich die äußeren Kohlblätter unter die Saftoberfläche gelegt und mit Gewichten beschwert, so dass kein Kohl an der Oberfläche schwimmt. Dadurch ist der Kohl sicher vom Luftsauerstoff abgeschirmt, was das Wachstum von Pilzen verhindert. Dann habe ich den Deckel auf den Gärtopf gelegt und die Wasserrinne wird mit Wasser gefüllt. Diese dient als Ventil und lässt das durch die Fermentation entstehende Kohlendioxid raus aber keinen Luftsauerstoff rein. Dies ist eine weitere Schranke gegen Fäulnis erregende Pilze.

IMG_4360Oben seht ihr den Zellsaft, der durch das Salz aus den Zellen der Kohlpflanze gezogen wird. Ich habe kein weiteres Wasser dazu gegeben. Der Zellsaft ist ein exzellentes Habitat für die Milchsäurebakterien mit vielen Nährstoffen. Anthocyane färben es in Abhängigkeit vom PH Wert rot oder blau.


Das generelle Prinzip dieser Fermentation ist folgendes: Man fördert durch das Salz und den Sauerstoffausschluss selektiv das Wachstum der auf dem Kohl lebenden Milchsäurebakterien und verhindert dadurch das Wachstum der Fäulnis erregenden Pilze. Man kultiviert also die „guten“ Bakterien, ähnlich wie Kühe auf der Weide, nur das die Weide im Topf ist und die Nutztiere statt Gras Kohl fressen 😉 .

Jetzt kann ich mich zurücklehnen und lasse die Bakterien für mich Arbeiten. Oder ich kann ich mich wieder meinen Recherchen widmen. Das ist coole Arbeitsteilung!

Literatur

Katz, S. E. 2012. The art of fermentation: an in-depth exploration of essential concepts and processes from around the world. Chelsea Green Publishing.

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5 Gedanken zu „Ganz schön rot: Sauerkraut mit Rotkohl und Äpfeln selbst gemacht

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