Genetisch veränderter Lachs wurde in den USA als Lebensmittel zugelassen

610x305Foto oben: Im Hintergrund seht ihr den genetisch veränderten Lachs (Aquaadvantage salmon) neben dem der natürlichen Lachs im Vordergrund wie ein Zwerg wirkt. Beide Fische sind gleich alt. (Bildquelle: Aquabounty Technologies).


Schon vor über 20 Jahren hatte das kanadische Unternehmen Aquabounty die Zulassung des von ihnen entwickelten gentechnisch veränderten Lachses in den USA beantragt. Vor kurzem hat die amerikanische FDA (Food and Drug Administration) nun den GVO Lachs als Lebensmittel in den USA zugelassen. Damit ist der als AquAdvantage bezeichnete Lachs das erste genetisch veränderte Tier, das als Lebensmittel zugelassen ist. Einige amerikanische Lebensmittelhändler haben auch schon angekündigt AquAdvantage in ihr Sortiment aufzunehmen, so dass dieser „Superlachs“ bald auf amerikanischen Tellern landen wird. Wenn ihr also demnächst mal in die USA fahrt, könntet ihr ihn dort verkosten.

Was macht also diesen GVO Lachs so besonders? Einem Atlantischen Lachs wurde das Gen eines Wachstumshormons einer anderen Lachsart (dem Königslachs) und  genregulatorische DNA-Sequenz aus einem aalähnlichen Fisch (Zoarces americanus), eingesetzt. Zoarces americanus ist besonders an kalte Gewässer angepasst. Durch die genetische Modifikation sind die GVO Lachse das ganze Jahr aktiv und wachsen so doppelt so schnell, wie natürliche Lachse, die üblicherweise drei Jahre bis zur Schlachtreife brauchen. AquAdvantage schafft dies in 16 bis 18 Monaten.

Die 20ig jährige Zulassungdebatte wurde begleitet durch ein langes Für und Wider bezüglich der GVO Lachse. Argumente dafür sind z.B. ein reduzierter Antibiotikaeinsatz und eine effizientere Umwandlung des Fischfutters in Schlachtgewicht. Als mögliche Nachteile wurden ausreißende Lachse genannt, die ihre kleineren wilden Artgenossen durch Konkurrenzdruck verdrängen. Außerdem würden sich GVO Lachse in Wildlachse einkreuzen. Deshalb wurden strikte Auflagen für die Zucht von GVO-LAchs eingeführt. Diese dürfen nur in vollständig von natürlichen Gewässern abgeschirmten Anlagen gezüchtet werden. Davon gibt es bisher eine in Kanada und eine in Panama.

Kritiker befürchten einen Dammbruch nach der Zulassung des GVO Lachses. Es könnten weitere GVOs folgen, wie Hühner, Rinder oder weitere Fische. Außerdem ist mit einer Welle völlig neuartiger GVOs zu rechnen, die durch eine neue und extrem mächtige Art der Gentechnik, dem Gene-Editing, möglich werden. Hier werden statt einzelner Gene mehrere Gene gleichzeitig modifiziert und zwar in bisher unerreichter Geschwindigkeit und mit relativ geringem technischen Aufwand.

Ich maße mir hier explizit keine Wertung an ob der GVO-LAchs eine gute Idee ist oder nicht. Um mir eine fundierte Meinung zu bilden, muss ich wesentlich tiefer in das Thema einsteigen als bisher. Aber was unbedingt notwendig ist, ist Transparenz für den Verbraucher und damit Entscheidungsfreiheit. Diese ist in den USA nur teilweise gegeben, da es für Lebensmittel GVOs keine Kennzeichnungspflicht gibt. Es gibt aber die Möglichkeit von Lachshändlern ihren Lachs explizit als gentechnikfrei zu labeln. Dieser Zustand ist natürlich vollkommen ungenügend. Eine ausgezeichnete Website mit vielen Informationen zu Gentechnik und Lebensmitteln ist übrigens transgen.de.

Hier noch ein explizit kritischer Beitrag zum GVO-Lachs (auf Englisch):

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5 Gedanken zu „Genetisch veränderter Lachs wurde in den USA als Lebensmittel zugelassen

  1. Mit der Tatsache, dass der Lachs genetisch modifiziert wurde, habe ich grundsätzlich kein Problem. Was mir tendenziell eher stört, ist die dahinter steckende Einstellung „mehr, billiger, effizienter“, durch die das Tier nur noch als Produkt wahrgenommen wird, nichts weiter. Andererseits trifft das nicht nur auf gentechnisch veränderte Tiere zu, sondern auf die meisten Zuchttiere, zumindest in der konventionellen Haltung. Die Frage, die sich für mich stellt, ist die nach dem Zweck: brauchen wir das? Müssen wir wirklich so viel Tier essen, das es zum Produkt verkommt? Ich möchte mitnichten für einen Vegetarismus für alle plädieren, aber es sollte zumindest eine Abwägung sein – ist mein Nutzen aus dem Konsum tierischen Proteins wirklich so groß, dass ich bereit bin, lebende, mitunter leidfähige Wesen (ob Letzeres auf den Lachs zutrifft, bezweifle ich allerdings) zu „opfern“.

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  2. Pingback: Lebensmittel und Genome Editing: die Gentechnik-Revolution auf Feld und Teller? | kochkultur-leipzig

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