Bericht von der Leipziger Spezialitätenbörse

IMG_4250_modFoto oben: Ein Blick in den Saal der alten Handelbörse. Im Hintergrund im blauen Hemd könnt ihr Patrice Wolger von Leipspeis erspähen.


Heute berichte ich mal aus der alten Leipziger Handelsbörse am Naschmarkt im Stadtzentrum.  An zwei Tagen (29. und 30. Oktober) fand hier die Leipziger Spezialitätenbörse statt. Hier ging es überwiegend um regionale bzw. ökologisch produzierte und fair gehandelte Lebensmittel. Ich finde es wunderbar, dass die Organisatoren sich dafür einsetzen einen Raum für sozial-ökologische Wirtschaftsweisen zu schaffen. Also wen und was gab es alles zu sehen? Meine Auswahl ist dabei bewusst total subjektiv und nicht repräsentativ.

Im Erdgeschoss gab es eine Ausstellung zur Vielfalt alter Apfelsorten inklusive Verkostung vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen. Der Verband setzt sich für die Erhaltung vor allem traditioneller Apfelsorten ein. Verbandsmitglied Veronika Leißner erklärte, dass alte Apfelsorten wegen ihrer geschmacklichen Vielfalt aber auch ihrer teilweise besseren Verträglichkeit  für Apfelallergiker (im Vergleich zu modernen Apfelsorten) erhaltenswert sind. Alte Apfelsorten findet man vor allem in alten oft ungenutzten Streuobtswiesenbeständen sowie in der Deutschen Genbank Obst. Damit diese Vielfalt erhalten bleibt und zwar nicht nur in Genbanken und als Museumsaustattung, ist eine wirtschaftliche Nutzung unabdingbar. Der Landschaftspflegeverband setzt sich deshalb für eine verstärkte Nutzung und Vermarktung alter Sorten ein. Am Stand des Hermanns Hof direkt nebenan bekommt man dann auch tatsächlich Apfelsaft von sächsischen Streuobstwiesen sowie leckeren Apfel-Quitten Saft.

IMG_4266_2Sophie Hänig vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen präsentiert die sächsische Apfelvielfalt.


Im schönen Saal der alten Handelsbörse treffe ich ein paar Bekannte. Darunter Patrice Wolger von Leipspeis, der sein neues verdammt leckeres Rapsöl aus dem Leipziger Umland präsentiert. Es schmeckt super-nussig und macht sich ganz wunderbar in jedem Salat oder statt Butter aufs Brot. Ein weiteres neues Produkt ist sein Mohnöl, welches etwas dezenter schmeckt. Direkt daneben hat sich Christian Tihl alias Oli.ven.oel ausgebreitet. Neben leckerem direkt gehandeltem Olivenöl findet man hier auch Oliven ( von denen fast jede einzelne anders aussieht und schmeckt) sowie wilden Oregano, den ich persönlich besonders aromatisch und cool finde. Man spürt die Kraft der mediterranen Sonne in diesem aromatischen Kraut. Kein Vergleich zu dem, was in unserem Leipziger Gemeinschaftsgarten Querbeet so an schwachbrüstigem Oregano unter der Leipziger Sonne wächst. Direkt daneben präsentiert Beatrice Pöltzig ihre veganen Energiebällchen (Punya). Die Basis ist immer eine Dattel-Mandel-Mischung, die dann mit verschiedenen Kräutern und Gewürzen verfeinert wird. Mein Favorit war bisher immer die süß-feurige Chili-Chai-Variante. Es gibt auch eine Cafe-Variation mit dem Cafe von Jens Klein. Dieser hatte seinen Stand nur einige Meter entfernt aufgebaut. Jens vertreibt direkt importierten Cafe aus Nicaragua unter der Marke Cafe Chavalo. Diesen konnte man gleich an seinem Stand z.B. als Cappuccino erwerben.

Nach etwas längerer Pause ist auch Slow Food Leipzig-Halle wieder aktiv und mit einem Stand vertreten auf dem eine Reihe regionaler Produkte präsentiert wurden, z.B. Mehl von der Mühle Engelsdorf und Leberwurst vom Elbweiderind aus Graditz bei Torgau (habe ich probiert und sie war vorzüglich).

Nach dem Rundgang durch die Börse habe ich mir eine Podiumsdiskussion zum Thema Kakao angehört. Es ging um den Produktionsprozess vom Anbau bis zu Röstung aber auch um die Wertschöpfungskette und wie die Gewinne entlang dieser verteilt sind. Außerdem ging es um die verschiedenen Ansätze, wie man eine gerechte Verteilung entlang der Wertschöpfungskette erreichen kann, z.B. durch fairtrade Handel, Direkt-Handel sowie eine Verlagerung der Veredelungsprozesse von den Industrie- in die Entwicklungsländer.

IMG_4248Podiumsdiskussion zu Kakoa-Handel und Produktion. Rechts mit dem Mikrofon seht ihr Jens Klein. Die Namen des Moderators (Mitte) und des Vertreters vom Weltladen kenne ich leider nicht (falls es jemand weiß, gebt es mir durch).


Man hat viel Gelegenheit mit den Leuten zu sprechen, z.B. über die Produkte und die Rohstoffe oder den Herstellungsprozess. Aber auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen spielen immer eine Rolle. Ab und zu wird auch mal ein bisschen gequengelt wird ob der schweren Bedingungen sich in einem hochindustrialisierten und kommerzialisierten Ernährungssystem durchzusetzen. Über einen langen Zeitraum wurden regionale Handelsstrukturen abgebaut ebenso wie das Wissen zur Erzeugung von Lebensmitteln. Dies erfordert ein konzertiertes Vorgehen zwischen Unternehmen, Politik und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Und ich kann durchaus eine gewisse Aufbruchsstimmung vernehmen. Egenberger Lebensmittel (Lipz Schorle, die mittlerweile den meisten Leipzigern bekannt ist) haben sich mittlerweile gut etabliert und hinzu kommen viele junge Akteure mit neuen Produkten und frischen Ideen. Da geht was in Leipzig und Umgebung. Da ich außerdem zunehmend mehr Leute aus der Szene kenne, macht es einfach Spaß die Leute zu treffen und zu quatschen.

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