Der Amazon-Sog: Bücher, instant Video, Lebensmittel… und Alternativen?

Amazon_Fresh KopieEin „Amazon Fresh“ Transporter in den USA. Foto von Visitor7,  lizensiert über  CC BY-SA 3.0 via Commons.


Ich gebe es zu. Ich bin mittendrin, im Sog von Amazon. Mittlerweile bestelle ich hier Bücher, Elektronik, Deko für die Wohnung und Möbel. Neben Google Scholar benutze ich mittlerweile Amazon auch zur Literaturrecherche. Dafür war es wohl nicht gedacht, aber es funktioniert. Die von Amazon-Kunden geschriebenen Reviews über Produkte nehme ich als willkommene Ergänzung zu Informationen aus anderen Quellen für meine Kaufentscheidungen. Was Amazon nicht hat, verkauft jemand anderes über Amazon Market Place. Antiquarische und abgefahrene Fachliteratur bekommt man so mühelos. Auch super praktisch und für mich als angehender Lehramtsstudent extrem günstig (ja richtig im nächsten Wintersemester gehe ich wieder zur Uni 😉 ) ist die instant Video Bibliothek, durch die man Zugang zu vielen TV Serien und Spielfilmen hat. Amazon instant Video bekommt man als Student als Teil des Amazon Prime Angebotes für 24 Euro pro Jahr. Und das Beste ist: man braucht für alles nur einen Account. Super easy, super praktisch. Warum soll ich da noch zu anderen Versandhändlern, Buchhändlern oder Videotheken gehen?

Ein weiteres interessantes Angebot, das es aber bisher nur in den USA gibt, ist Amazon Fresh, über das man frische Lebensmittel, wie Gemüse und Eier bekommen kann. Es gibt Indizien dafür, dass ein ähnliches Angebot schon für Deutschland vorbereitet wird. Wahrscheinlich startet Amazon Fresh in München und Umgebung. Bisher gibt es nur haltbare, verarbeitete Lebensmittel in Deutschland über Amazon. Ich habe da z.B. schon mal Miso bestellt.

Die Idee Lebensmittel online zu verkaufen, ist nicht neu und es gibt deutsche Unternehmen, die sich schon länger auf diesem Feld tummeln wie food.de. Der Lebensmittelmarkt in Deutschland ist allerdings extrem hart und gezeichnet von einem brutalem Preiskampf. Die erzielten Margen sind, vielleicht abgesehen vom Feinkostbereich, gering. Einige online startups wie froodies hat es schon dahingerafft. So richtig in Schwung scheint der Online-Lebensmittelhandel noch nicht zu kommen. Da Amazon allerdings einen schon derart breiten und treuen Kundenstamm hat (mich eingeschlossen), könnte ich mir vorstellen, dass Amazon Fresh das Potenzial hat den Markt aufzurollen. Frische Lebensmittel stellen allerdings auch eine besondere Herausforderung an die Logistik (Aufrechterhaltung der Kühlkette).

Alternativen zu Amazon

Alternativen zu Amazon scheinen sich extrem schwer zu tun. Fairmondo ist ein genossenschaftlich organisierter, fair-ökologischer Online-Marktplatz, bei dem man alle möglichen Produkttypen (Lebensmittel, Kleidung, Bücher) bekommen kann. Hier habe ich auch mal bestellt, es in der letzten Zeit aber wieder gelassen. Man bekommt einiges bei fairmondo aber mit Amazon kann es nicht annähernd mithalten. Letztlich ist Amazon unendlich viel praktischer, bietet viel mehr und ich bin wohl (noch?) nicht idealistisch genug für Fairmondo. Fairmondo ist mehrfach beinahe an Liquiditätsproblemen gescheitert, wie mir als Genossenschaftler zu Ohren gekommen ist. Mal sehen, was draus wird. Es wäre schon schade, wenn fairmondo untergeht.

Neben fairmondo gib est aber auch einige alternative Online-Märkte, die sich in Nischen ansiedeln und in diesen vielleicht überleben könnten. Für regionale Lebensmittel gibt es Bonativo für Berlin oder Bauerntüte in NRW. Im Feinkostbereich gibt es foodist, im Craft Bier Bereich z.B. Bier-Deluxe. Atalanta ist ein Online-Marktplatz, über den man Produkte der lokalen Händler online beziehen kann, z.B. in Wuppertal. Kauf.in ist ein weiterer Online-Marktplatz über den man Waren von lokalen Händlern beziehen kann, unter anderem in Bochum, Duisburg und Essen. Diese Kombination von lokaler Wirtschaft und online-Platformen finde ich spannend. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich diese Unternehmen entwickeln.

Mein persönlicher Laden-Favorit in der realen Welt ist übrigens der Kiez Kontor (ein Spätie) bei mir um die Ecke. Hat fast immer auf, ist nah, hat interessante, ökologische, faire Produkte, aber ein Sterni kriegt man auch.

Leipzig ist ein kreatives Pflaster. Also vielleicht finden sich hier ja ein paar Verrückte, die sich auf den Weg machen etwas zu ändern und Alternativen zu schaffen. Oder landen wir alle irgendwann im Sog von Amazon? Die Frage ist, was wollen wir in Leipzig? Sollen uns demnächst die grünen Amazon Fresh Transporter beliefern oder wollen wir etwas anderes?

Kennt ihr noch weitere interessante Amazon-Alternativen? Einfach als Kommentar posten, wenn ihr was Spannendes habt.

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2 Gedanken zu „Der Amazon-Sog: Bücher, instant Video, Lebensmittel… und Alternativen?

  1. Ich versuche seit einer Weile, mich aus dem Amazon-Sog zu befreien. Aber es ist nicht einfach. Bücher bekommt teilweise nicht anders (insbesondere englischsprachige Fachliteratur), obwohl ich mir immer sage, es ist in der Regel immerhin „nur“ Amazon Marketplace und gebraucht. Bei Musik, die ich früher faulerweise zu 99% bei Amazon gekauft hatte, bin ich zu Direktkäufen bei Labels übergegangen. Ich denke, wenn man es wirklich will, kann man auf Amazon verzichten. Doch kostet es zumindest in der Umstellungszeit mitunter viel Zeit und Aufwand. Und die Frage ist wohl auch berechtigt: muss man so extrem sein? Ja, Amazon ist „böse“, aber man bringt auch nicht mit jedem dort gekauften Artikel jemanden um. Meine Herangehensweise also (nicht, dass es mir immer gelingen würde, sich an sie zu halten;-): erstmal woanders versuchen, und wenn die Transaktionskosten bzw. Opportunitätskosten der Zeit zu hoch werden (z. B., weil man eine Musik-CD direkt beim Label in den Staaten kaufen möchte, die aber nur Kreditkartenzahlung vorsehen), dann nimmt man eben Amazon.

    Auf die Idee, Lebensmittel bei Amazon zu kaufen, wäre ich wohl nie gekommen;-) Ich mag altmodisch sein, aber die Idee, mein Essen im Netz zu bestellen, finde ich komisch. Andererseits ergänze ich meine wöchentliche Biokisten-Bestellung inzwischen auch übers Internet… Der Ökonom in mir sagt „Ist doch effizient!“. Aber so recht überzeugt von der Idee bin ich nicht…

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