Die Getränke-Industrie hacken

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Quelle: Vortrag Lübbermann

Gestern haben sich im Leipziger sublab zwei Getränke-Unternehmen vorgestellt, die sich auf den Weg machen, die Wirtschaft auf den Kopf zu stellen. Ihre bekanntesten Produkte: Kolle-Mate und Premium-Cola. Alles fing 1999 mit Afri-Cola an, das von einem anderen Unternehmen geschluckt wurde, welches die Rezeptur änderte, um es massentauglicher zu machen. Das war gar nicht nach dem Geschmack von Uwe Lübbermann der daraufhin sein eigenes Getränke-Unternehmen startete. Er besorgte sich das alte Afri-Cola Rezept und legte los. Dabei ging er konsequent gegen die üblichen BWL Gründer-Regeln vor. Sein Unternehmen Premium organisiert er kollektiv-demokratisch, er arbeitet ohne Verträge mit Geschäftspartnern und setzt auf gegenseitiges Vertrauen und Kooperation statt Konkurrenz. Es gibt einen Einheitslohn von 15 Euro und das Unternehmen ist  nicht profitorientiert (die Gewinne gehen nur in die Löhne und werden an keine externen Gesellschafter ausgeschüttet). Premium kommt ohne Fremdkapital aus und ist damit eine sogenannte „zombiefreihe Zone“, frei von fremdgesteuerten Kapitalisten. Außerdem gibt es einen Anti-Mengen Rabatt also einen niedrigeren Preis bei kleinen Mengen und es gibt keine bezahlte Werbung.  Lübbermann ist selbst verwundert, dass dies so funktioniert: „dass es so geht, abgefahren“. Allerdings war das Unternehmen zwischendurch auch mal defacto insolvent, wurde aber durch die Geschäftspartner gestützt, die freiwillig früher als vereinbart bezahlt haben. Wichtig sei außerdem gewesen, sich langsam zu gründen, klein anzufangen und am Anfang eine zweite Einkommensquelle zu haben um nicht das ganze Risiko an den Anfang zu stellen. Lübbermann geht es aber um mehr als nur um ein einzelnes Unternehmen. Es geht darum, die konventionelle „Wirtschaft zu hacken“. Das heißt die Wirtschaft in ihrer Funktionsweise zu verstehen und zum Besseren zu verändern. Dafür hat sein Unternehmen das Premium „Betriebssystem“ entwickelt, von dem andere lernen sollen. Er setzt auf Kooperation und Beratung zwischen verschiedenen Getränkebrauern. Aber auch wie Wirtschaft gelehrt wird, möchte er ändern. Er möchte dazu beitragen, „BWL-Bücher neu zu schreiben“.

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Quelle: Vortrag Lübbermann

Kolle-Mate kommt aus Dresden und wurde von Andre Lange alias Kolle ins Leben gerufen und anfangs noch in einer umgebauten Waschküche gebraut. Auch ihm geht es darum, Getränke nicht nach dem Muster der Lebensmittelindustrie zu machen (ob bio oder nicht). Kolle arbeitet ebenfalls kollektiv-demokratisch, ohne Fremdkapital (zombiefrei), strebt ein gesundes Wachstum an und sieht sogar Wachstumsgrenzen vor. Die Gastronomie soll z.B. nur regional beliefert werden u.a. wegen dem aufwendigen Leergut-Transport. Wichtig ist für Kolle die „Wertschätzungskette“: Von der Produktion der Zutaten über den Brau-Prozess bis zum Vertrieb soll alles sozial und ökologisch transparent sein. Dadurch werde aber auch klar: „man kommt schnell an Grenzen“, alles gut zu machen. So verwenden sie zwar Bio-Zucker, aber sei dieser nur über groß-industrielle Monopolisten erhältlich (Südzucker). Auch die Kommunikation von Fehlern gehört in ihr Konzept: eine komplette Charge Mate wurde aufgrund einer Trübung verworfen. Nach der Anfangsphase bekam Kolle Unterstützung und Beratung durch Premium, um sich zu professionalisieren. Zur Zeit wird der größte Umsatzanteil (50%) in Leipzig erzielt.

Fazit: Meiner Meinung nach sind die Ansätze von Kolle und Premium definitiv beachtenswert und sollten gefördert werden. Auch die Perspektive über das einzelne Unternehmen hinaus – durch Kooperation oder das Nachdenken über die BWL Lehre – sind eine sehr gute Sache.  Ob diese Unternehmens-Philosophie nachhaltig ist und inwiefern es mehr ist, als eine Nischen-Lösung, muss sich aber noch zeigen. Auch wie demokratisch und kollektiv es im Inneren der Unternehmen wirklich aussieht,  kann ich kaum beurteilen. Unsere Wirtschaft braucht aber dringend eine Veränderung und Leute, die dieses System „hacken“, es auseinandernehmen und wieder neu zusammensetzen, in der Praxis experimentieren und ihre Erfahrungen teilen. Davor ziehe ich den Hut und wünsche den kollektiven Brause-Unternehmen das Beste für die Zukunft!

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