EU-Recht untersagt Patentierung konventionell gezüchteter Pflanzen und Tiere

patented

Foto: Auf dem Tisch sieht man die Chilivielfalt, die wir im Sommer 2015 in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet gezüchtet haben.

Seit einiger Zeit melden Agrarkonzerne in der EU erfolgreich Patente auf Nutzpflanzen, wie Tomaten und Brokkoli an, die durch konventionelle Züchtung erzeugt wurden. Konventionelle Züchtung bezeichnet die Beschränkung bei der Zucht auf Selektion und Kreuzung und den Verzicht auf gentechnischer Eingriffe. Ein aktuelles Beispiele ist der Versuch des Bierbrauers Carlsberg Patente für Gerstensorten anzumelden. Bisher hat das Europäische Patentamt das EU Patentrecht so interpretiert, dass auch durch konventionelle Züchtung („im Wesentlichen biologische Verfahren“) erzeugte Nutzpflanzen, patentiert werden dürfen. Die Europäische Kommission hat jetzt öffentlich Stellung bezogen und vertritt die Auffassung, dass Organismen, die durch im wesentlichen biologische Verfahren erzeugt wurden, nicht patentiert werden dürfen. Weiterlesen –>

Das Hybrid-Experiment: Sauerteig-Hefe-Brot

img_6252Foto oben: Das hybride Sauerteig-Hefe-Brot. Gut erkennbar ist die leckere Kruste und die lockere Brotkrume im Inneren.


Gestern habe ich mal was „Böses“ gemacht. Ich habe einen Hybrid erzeugt. Aber einen verdammt leckeren! Zuerst habe ich meinen Sauerteig-Starter genommen und mit ihm einen Sauerteig angesetzt. Dieser durfte circa drei Stunden bei 30 Grad Celsius fermentieren, bis er ordentlich geblubbert hat (Fotos unten). Dann habe ich nochmal 400 Gramm Mehl, Sonnenblumenkerne, Sesam, Wasser, zwei Teelöffel Salz und vor allem eine handelsübliche Reinzucht-Hefe aus dem Supermarkt zu dem Sauerteig dazugegeben. Dann habe ich den Teig ordentlich geknetet, ihn in eine Brotform gegeben und wieder fermentieren lassen.

Nachdem der Teig durch die Fermentation mit der Reinzucht-Hefe nochmals ordentlich an Volumen gewonnen hatte, bekam er die Feuertaufe in meinem Backofen. Das Ergebnis ist ein leckeres Brot mit knuspriger Kruste und einer schön fluffigen Brotkrume im Inneren. Auf den Fotos kann man gut die lockere Krumenstruktur des Brotes erkennen. Frisches Brot esse ich am liebsten ganz einfach nur mit Butter oder Käse, so dass man das Brotaroma gut rausschmecken kann. Weiterlesen

Ermöglichen Genome Editing und Big Data digitale Biopiraterie?

_enola__bean_4_3887465932Foto oben: Die Enola Bohne, eine Variante der mexikanischen gelben Bohne. Foto von CIAT, Quelle Wikipedia.


In den letzte Jahren wurde das sogenannte Nagoya-Protokoll im Rahmen der Biodiversitätskonvention etabliert, welches zum Ziel hatte die einseitige Ausbeutung biologischer Vielfalt als Ressource für biomedizinische, agrarwirtschaftliche und biotechnologische Zwecke zu begrenzen. Die wirtschaftlichen Vorteile, die sich aus der biologischen Vielfalt ergeben, sollten geteilt werden zwischen den Firmen, die neue Produkte entwerfen und den Bewohnern der Ursprungsländer der biologischen Vielfalt. Dies sollte eine neue Form des Kolonialismus, den man als Biokolonalismus bezeichnen könnte, verhindern. Weiterlesen –>

Apfelsaft-Pressen mit foodsharing Leipzig

img_6126Links seht ihr die Lebensmittelretterinnen von foodsharing Leipzig in Aktion. Es verlangt einiges an Power diese Apfelsaftpresse zu bedienen, aber es hat sich gelohnt.


Nach dem ich mich gestern mit den hochtechnischen Sphären der digitalen Landwirtschaft 4.0 beschäftigt habe, bin ich heute mal wieder in die Untiefen der handwerklichen Lebensmittelverarbeitung abgetaucht. Im Vergleich zu modernen Lebensmittelfabriken könnte man auch von „Lebensmittelverarbeitung 0.7beta“ sprechen. Die Lebensmittelretter von foodsharing Leipzig haben über die letzten Tage kistenweise Äpfel im Leipziger Umland gesammelt und sich vom BUND Leipzig eine Apfelpresse geliehen. Diese wurde dann im Querbeet aufgebaut.

Heute habe ich dann den Lebensmittelretterinnen Anna-Maria und Franziska beim Apfelpressen geholfen, einige Fotos gemacht und den Apfelsaft verkostet. Weiterlesen

Landwirtschaft 4.0: Die digitale Revolution der Landwirtschaft als Zukunft oder Sackgasse?

amazone_bonirob_feldroboter-entwicklungsprojekt-kopie-2Der Bonirob ist ein multifunktionaler Agrar-Roboter. Foto von Amazone GmbH & Co. Quelle Wikipedia.


Seit einiger Zeit geistert der Begriff de  „Industrie 4.0“ durch den öffentlichen Diskurs. Hier geht es vor allem um die informationstechnische Revolutionierung der produzierenden Industrie. Neue technische Entwicklungen wie das 5G-Netz für mobile Endgeräte, machine learning und Fortschritte in der Robotik sollen die industrielle Produktion ein weiteres mal Revolutionieren (wie vorher die Dampfmaschine, die Elektrizität oder der Transistor).

Aber auch die moderne Landwirtschaft, die ein grundlegender Teil unserer Industrie ist, soll durch diese technischen Fortschritte einen erheblichen Schub erfahren. Kurzerhand hat man den Begriff „Landwirtschaft 4.0“ kreiert.

Heute war ich in Dresden auf der Veranstaltung „Landwirtschaft 4.0 in Sachsen“, die vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), der TU Dresden sowie der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt ausgerichtet wurde. Eine Reihe von Referenten aus der Wissenschaft, von der Landesverwaltung und der Wirtschaft trugen ihre Perspektive auf die Landwirtschaft 4.0 vor. Einige der Interessantesten Beiträge stelle ich im Folgenden kurz vor, um dann eine kritische Reflexion anzuschließen. Hier geht es zum Artikel.

Improvisiertes Kochen: kreatives Umgehen mit dem Gegebenen

topf cut2Foto Links: Hier seht ihr, wie in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet gekocht wird. Auch hier wird gelegentlich kulinarisch improvisiert.


Über die letzten Jahre hinweg habe ich mich bemüht das Kochen (und natürlich auch das Fermentieren) so halbwegs zu erlernen. Anfangs habe ich nach Rezepten aus Kochbüchern, aus den Weiten des Internets  oder aber nach Rezepten  von Freunden und Bekannten gekocht. Dann habe ich angefangen meine eigene Rezeptsammlung anzulegen (ganz offline in einem Ordner). Mit der Zeit hatte ich dann einiges im Kopf, so dass ich mich nach den Rezepten in meinem Kopf richten konnte. Meist läuft das dann so ab: Ich habe eine Idee oder ein Rezept und dann gehe ich die passenden Zutaten einkaufen.

Über die letzten Monate hinweg bin ich öfter mal in die Situation gekommen kulinarisch zu improvisieren. Kulinarische Improvisation heißt für mich mit den gegebenen  Umständen also Zutaten und Küchenwerkzeugen eine Idee zu entwickeln und diese zu kochen. Ich empfinde dies als einen durchaus kreativen Akt. Situationen, die kulinarische Improvisation erforderten, waren z.B. ein arg begrenztes Budget oder fehlende Zeit und Lust für den Einkauf von Lebensmitteln nach Rezept. Hier galt es dann mit dem auszukommen, was sich schon im Kühl- und Küchenschrank befindet. Am meisten Freude hat mir die kulinarische Improvisation im Rahmen von Kochaktionen für foodsharing Leipzig gemacht. Hier hatten die Foodsaver (Lebensmittelretter) Lebensmittel aus Leipziger Supermärkten gerettet, die eigentlich in der Tonne landen sollten. Daraus wurde dann ein Menu für das 25-jährige Jubiläum von Greenpeace Leipzig gekocht. Weiterlesen

Sauerkraut-Workshop im Querbeet: wilde Fermentation im Garten

img_6047Hier möchte ich einen kurzen Rückblick auf den gestrigen Sauerkraut-Workshop im Querbeet geben. Mit vielen Händen haben wir gestern 7 kg Weißkohl und 7 kg Rotkohl für eine Fermentation zu Sauerkraut angesetzt. In lauschiger Garten-Athmosphäre haben wir kiloweise Kohl gehobelt und geschnitten, dann mit Salz versetzt und in Keramik-Gärtöpfen gestampft. Jetzt können die vielen wilden Milchsäurebakterien den eigentlichen Hauptteil der Arbeit machen und den Kohl zu Sauerkraut fermentieren. In dieser Zeit fängt es ordentlich an zu blubbern, wenn die Bakterien den Zucker in dem Kohl in Milchsäure und Kohlendioxid umwandeln. Dies dauert je nach Temperatur 4-6 Wochen. Dann kann das Kraut in kleinere Schnappdeckelgläser umgefüllt und in der Küche verwendet werden. Weiterlesen

Nobelpreis für Genome Editing? Ein Kommentar und ein paar Gedanken

1933_nobel_peace_prize_awarded_to_norman_angell-kopieMedaille des Friedensnobelpreises, die Norman Angell 1933 erhielt. Photograph Gustav Vigilant, Quelle Wikipedia.


Thomson Reuters ermittelt durch eine Zitations-Analyse der im web of science gelisteten Veröffentlichung eine Art „Vorhersage“ der jährlichen Nobelpreis-Laureaten. Dieses Jahr wurden zum zweiten Mal Wissenschaftler als potentielle Nobelpreis-Anwärter ermittelt, die das Genome Editing Verfahren CRISPR/Cas entwickelt haben. Feng Zhang und George Church haben mit ihrer Forschung dazu beigetragen die CRISPR/Cas Methode in Maus- und Menschenzellen zu etablieren und haben so die Grundlagen vor allem für eine biomedizinische Anwendung dieser Methode gelegt. Im letzten Jahr wurden Emanuelle Chapantier und Jennifer Doudna als Anwärter für den Nobelpreis ermittelt und zwar für ihre Veröffentlichung, in der sie diese Methode zum ersten Mal überhaupt entwickelten. Noch herrscht ein großer Streit darum, wem eigentlich der größte wissenschaftliche Verdienst zukommt und wem die Patentrechte an CRISPR/Cas zustehen. Weiterlesen

Ein neuer Freiraum im Leipziger Osten?Die IG Ostwache sucht Ideen und Tatkraft

bildschirmfoto-2016-09-19-um-14-40-29Diesmal möchte ich auf eine tolle Gelegenheit aufmerksam machen den Leipziger Osten aktiv mitzugestalten. Die alte Feuerwache im Leipziger Osten in der Theodor-Neubauerstr.  (gleich bei mir um die Ecke) wird von der Feuerwehr als Standort aufgegeben. Hier ergibt sich ein potenzieller Freiraum für sinnvolles unternehmerisches Engagement, Kultur und soziales Engagement.

Die Interessengemeinschaft (IG) Ostwache möchte zusammen mit tatkräftigen und ideenreichen Leipzigern diesen Freiraum gestalten und verhindern, dass dieser zu einem Spielball rein ökonomischer und profitorientierter Interessen wird. Die IG Ostwache hat nun dazu aufgerufen Interessenbekundungen bis zum 15.10 für Projekte in der Ostwache einzureichen. Dies kann man auf der Seite www.ostwache.org tun. Auf dieser Seite gibt es auch mehr Infos zu dem Konzept der Ostwache. Weiterlesen

Von der Bioökonomie zur Biokultur: Biokultursysteme und ihre Evolution

IMG_0169klFoto oben: Hier seht ihr das im Aufbau befindliche Gewächshaus des Gemeinschaftsgartens Querbeet im Leipziger Osten. Gemeinschaftsgärten sind spezielle Formen alternativer Biokultursysteme.


Wenn es in Diskussionen darum geht, was die zentralen Elemente unserer Wirtschaft sind, werden an erster Stelle meist Geld, Kapital, Märkte, Nachfrage und Angebot, Wachstum sowie technisch-wissenschaftlicher Fortschritt und Innovationen genannt.

Seit einiger Zeit setzt sich zunehmend ein neues Konzept von Ökonomie durch, welches die lebendige Natur, also Leben, zu ihrer zentralen Grundlage macht: die Bioökonomie. Es wurde z.B. eine nationale Forschungsstrategie Bioökonomie ins Leben gerufen, die über sechs Jahre insgesamt 2,4 Milliarden Euro für Projekte in den Bereichen Lebensmittel, Bioenergie und industrielle Rohstoffe zur Verfügung stellt. Außerdem wurde ein sogenannter Bioökonomierat eingerichtet, um die Politik in Sachen Bioökonomie zu beraten. Bald kann man sogar „Bio-Ökonomik und nachhaltige Innovation“ in Straubing studieren. An der Universität Halle gibt es den „Wissenschaftscampus pflanzenbasierte Bioökonomie“. Weiterlesen