Steckrüben-Eintopf nach dem Eintopf-Prinzip

img_4297Foto Links: Da ich zu faul war ein Foto von dem Steckrüben-Eintopf zu machen, seht ihr hier ein Foto von meinem herbstlichen Pilz-Kürbis-Erbsen-Tofu-Eintopf vom letzten Herbst.


An dieser Stelle möchte ich mal mein Steckrüben-Rezept vorstellen. Erstens, weil ich Eintöpfe liebe und zweitens, weil die Steckrübe für die nächsten zwei Jahre Gemüse des Jahres sein wird. Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) möchte die Bedeutung dieses Gemüses hervorheben und dazu anregen in Küche und Garten mit der Steckrübe zu experimentieren.

Trotzdem viele nicht so recht wissen, was sie mit der Steckrübe in der Küche anfangen sollen, gibt es durchaus einige gute Rezepte. Eveline Renell vom VEN hat als Anregung eine Reihe schöner Steckrüben-Rezepte gesammelt.

Der Klassiker ist sicher der Steckrüben-Eintopf. Mein Steckrüben-Eintopf basiert auf dem Eintopf-Prinzip und kommt deshalb völlig ohne „Tricksereien“ oder Fertigprodukte, wie Brühen oder Fonds aus, die in vielen Rezepten auftauchen. Diese Helferlein ermöglichen es einem ruckzuck Geschmack in beinahe alles reinzubringen. Im Alltag mag dies manchmal durchaus praktisch sein. An dieser Stelle möchte ich aber mal eine Lanze für die puristisch-handwerkliche „Eintopf-Kunst“ brechen. Weiterlesen

Die Steckrübe ist Gemüse des Jahres für 2017/2018

rutabaga_variety_nadmorska-kopie-2Foto links: Steckrüben, Foto von Picasa user Seedambassadors, Quelle Wikipedia.


Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) hat die Steckrübe als Gemüse des Jahres für 2017/2018 auserkoren. In der AG Gemüse des Jahres haben wir uns in die Untiefen der Gemüseliteratur begeben und viele spannende Informationen zur Kulturgeschichte, Sortenvielfalt und Kultivierung im Garten zusammengetragen. Außerdem gibt es eine schöne Sammlung an Rezepten für die Steckrübe.

In Zeiten in denen rasende Fortschritte in den Biowissenschaften und Informationswissenschaften massiven Einfluss darauf haben, was auf unseren Tellern und Äckern landet, ist es wichtig auch mal zurückzuschauen, wo unsere Nutzpflanzenvielfalt eigentlich herkommt. Weiterlesen –>

Saatgut-Alternativen für die nächste Garten-Saison: ein kleiner Wegweiser

IMG_2168Foto oben: Hier haben sich eine grüne und eine dunkelblaue Sorte Dicker Bohnen miteinander verkreuzt. Die Kreuzungen sehen schön getigert aus.


Die kalten Monate sind eine gute Zeit, um seinen Garten zu planen und so auch die Vorfreude auf den Frühling zu steigern. Ich persönlich möchte dieses Jahr wieder relativ früh mit dem Kultivieren von Chilis beginnen, spätestens Ende Februar, damit ich wieder genug Zutaten für eine leckere fermentierte Chili-Sauce habe. Es wird also langsam Zeit sich zu überlegen, was ich an Saatgut benötige, um meine Kultivierungsgelüste zu befriedigen.

Dabei kann man auch ganz praktisch etwas gegen die aktuellen und sehr fragwürdigen Umbrüche im Saatgutmarkt unternehmen, in dem man z.B. auf Saatgut verzichtet, das aus den Züchtungsanstalten von Monsanto, Syngenta oder Dow Chemicals kommt.

Damit will ich nicht sagen, dass dieses Saatgut per se schlecht ist. Nein, es ist rein technisch betrachtet oft extrem hochwertiges Saatgut. Es wurde mit viel technischem Know-How und Kapital entwickelt und produziert. Dadurch ist oft eine sehr gute Keimfähigkeit und ein hoher Ertrag gewährleistet. Außerdem bekommt man fast immer sehr sortenreines Material. Wer also allein an der technischen Qualität von Saatgut interessiert ist und sich um sonst nichts schert, ist hier durchaus gut aufgehoben. Wenn man aber aus Überzeugung ökologisch gärtnert und mit der Vereinnahmung unserer Nahrungsgrundlage, dem Saatgut, durch wenige große Wirtschaftseinheiten ein Problem hat, sollte man sich auf die Suche nach Alternativen begeben. Weiterlesen

Partizipative Tomatenzüchtung in Italien: samenfeste VS hybride Tomaten

tomatentag-2016-1Auf dem Foto Links seht ihr die Tomatenausstellung, die Peter Schurz in diesem Jahr in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet organisiert hat.


Bei einer Internetrecherche bin ich auf ein spannendes Forschungsprojekt in Italien gestoßen, welches mit partizipativen Ansätzen der Pflanzenzüchtung bei Tomaten experimentiert. Zwar gibt es wohl eine Reihe lokaler italienischer Landsorten bei den Tomaten, allerdings eignen sich diese nicht für den kommerziellen Anbau. Deshalb werden von Profis, auch von Biogärtnern, vor allem im Ausland gezüchtete Tomatensorten – vorwiegend Hybridsorten – verwendet. Diese sind einerseits sehr teuer und wurden weder für den biologischen Anbau noch für die italienischen Umweltbedingungen angepasst.

Also haben sich ein paar italienische Wissenschaftler mit Tomatengärtnern zusammengetan und ein partizipatives Zuchtprogramm gestartet. Bisher ist die partizipative Züchtung vor allem ein Ansatz in sogenannten „Entwicklungsländern“, wird aber mittlerweile auch als ein fruchtbarer Ansatz für westliche Agrarwirtschaften gesehen. Hier möchte ich in aller Kürze die Ergebnisse darstellen, die man in der Publikation im Detail nachlesen kann (Campanelli et al 2015). Weiterlesen –>

EU-Recht untersagt Patentierung konventionell gezüchteter Pflanzen und Tiere

patented

Foto: Auf dem Tisch sieht man die Chilivielfalt, die wir im Sommer 2015 in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet gezüchtet haben.

Seit einiger Zeit melden Agrarkonzerne in der EU erfolgreich Patente auf Nutzpflanzen, wie Tomaten und Brokkoli an, die durch konventionelle Züchtung erzeugt wurden. Konventionelle Züchtung bezeichnet die Beschränkung bei der Zucht auf Selektion und Kreuzung und den Verzicht auf gentechnischer Eingriffe. Ein aktuelles Beispiele ist der Versuch des Bierbrauers Carlsberg Patente für Gerstensorten anzumelden. Bisher hat das Europäische Patentamt das EU Patentrecht so interpretiert, dass auch durch konventionelle Züchtung („im Wesentlichen biologische Verfahren“) erzeugte Nutzpflanzen, patentiert werden dürfen. Die Europäische Kommission hat jetzt öffentlich Stellung bezogen und vertritt die Auffassung, dass Organismen, die durch im wesentlichen biologische Verfahren erzeugt wurden, nicht patentiert werden dürfen. Weiterlesen –>

Das Hybrid-Experiment: Sauerteig-Hefe-Brot

img_6252Foto oben: Das hybride Sauerteig-Hefe-Brot. Gut erkennbar ist die leckere Kruste und die lockere Brotkrume im Inneren.


Gestern habe ich mal was „Böses“ gemacht. Ich habe einen Hybrid erzeugt. Aber einen verdammt leckeren! Zuerst habe ich meinen Sauerteig-Starter genommen und mit ihm einen Sauerteig angesetzt. Dieser durfte circa drei Stunden bei 30 Grad Celsius fermentieren, bis er ordentlich geblubbert hat (Fotos unten). Dann habe ich nochmal 400 Gramm Mehl, Sonnenblumenkerne, Sesam, Wasser, zwei Teelöffel Salz und vor allem eine handelsübliche Reinzucht-Hefe aus dem Supermarkt zu dem Sauerteig dazugegeben. Dann habe ich den Teig ordentlich geknetet, ihn in eine Brotform gegeben und wieder fermentieren lassen.

Nachdem der Teig durch die Fermentation mit der Reinzucht-Hefe nochmals ordentlich an Volumen gewonnen hatte, bekam er die Feuertaufe in meinem Backofen. Das Ergebnis ist ein leckeres Brot mit knuspriger Kruste und einer schön fluffigen Brotkrume im Inneren. Auf den Fotos kann man gut die lockere Krumenstruktur des Brotes erkennen. Frisches Brot esse ich am liebsten ganz einfach nur mit Butter oder Käse, so dass man das Brotaroma gut rausschmecken kann. Weiterlesen

Ermöglichen Genome Editing und Big Data digitale Biopiraterie?

_enola__bean_4_3887465932Foto oben: Die Enola Bohne, eine Variante der mexikanischen gelben Bohne. Foto von CIAT, Quelle Wikipedia.


In den letzte Jahren wurde das sogenannte Nagoya-Protokoll im Rahmen der Biodiversitätskonvention etabliert, welches zum Ziel hatte die einseitige Ausbeutung biologischer Vielfalt als Ressource für biomedizinische, agrarwirtschaftliche und biotechnologische Zwecke zu begrenzen. Die wirtschaftlichen Vorteile, die sich aus der biologischen Vielfalt ergeben, sollten geteilt werden zwischen den Firmen, die neue Produkte entwerfen und den Bewohnern der Ursprungsländer der biologischen Vielfalt. Dies sollte eine neue Form des Kolonialismus, den man als Biokolonalismus bezeichnen könnte, verhindern. Weiterlesen –>

Apfelsaft-Pressen mit foodsharing Leipzig

img_6126Links seht ihr die Lebensmittelretterinnen von foodsharing Leipzig in Aktion. Es verlangt einiges an Power diese Apfelsaftpresse zu bedienen, aber es hat sich gelohnt.


Nach dem ich mich gestern mit den hochtechnischen Sphären der digitalen Landwirtschaft 4.0 beschäftigt habe, bin ich heute mal wieder in die Untiefen der handwerklichen Lebensmittelverarbeitung abgetaucht. Im Vergleich zu modernen Lebensmittelfabriken könnte man auch von „Lebensmittelverarbeitung 0.7beta“ sprechen. Die Lebensmittelretter von foodsharing Leipzig haben über die letzten Tage kistenweise Äpfel im Leipziger Umland gesammelt und sich vom BUND Leipzig eine Apfelpresse geliehen. Diese wurde dann im Querbeet aufgebaut.

Heute habe ich dann den Lebensmittelretterinnen Anna-Maria und Franziska beim Apfelpressen geholfen, einige Fotos gemacht und den Apfelsaft verkostet. Weiterlesen

Landwirtschaft 4.0: Die digitale Revolution der Landwirtschaft als Zukunft oder Sackgasse?

amazone_bonirob_feldroboter-entwicklungsprojekt-kopie-2Der Bonirob ist ein multifunktionaler Agrar-Roboter. Foto von Amazone GmbH & Co. Quelle Wikipedia.


Seit einiger Zeit geistert der Begriff de  „Industrie 4.0“ durch den öffentlichen Diskurs. Hier geht es vor allem um die informationstechnische Revolutionierung der produzierenden Industrie. Neue technische Entwicklungen wie das 5G-Netz für mobile Endgeräte, machine learning und Fortschritte in der Robotik sollen die industrielle Produktion ein weiteres mal Revolutionieren (wie vorher die Dampfmaschine, die Elektrizität oder der Transistor).

Aber auch die moderne Landwirtschaft, die ein grundlegender Teil unserer Industrie ist, soll durch diese technischen Fortschritte einen erheblichen Schub erfahren. Kurzerhand hat man den Begriff „Landwirtschaft 4.0“ kreiert.

Heute war ich in Dresden auf der Veranstaltung „Landwirtschaft 4.0 in Sachsen“, die vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), der TU Dresden sowie der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt ausgerichtet wurde. Eine Reihe von Referenten aus der Wissenschaft, von der Landesverwaltung und der Wirtschaft trugen ihre Perspektive auf die Landwirtschaft 4.0 vor. Einige der Interessantesten Beiträge stelle ich im Folgenden kurz vor, um dann eine kritische Reflexion anzuschließen. Hier geht es zum Artikel.

Improvisiertes Kochen: kreatives Umgehen mit dem Gegebenen

topf cut2Foto Links: Hier seht ihr, wie in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet gekocht wird. Auch hier wird gelegentlich kulinarisch improvisiert.


Über die letzten Jahre hinweg habe ich mich bemüht das Kochen (und natürlich auch das Fermentieren) so halbwegs zu erlernen. Anfangs habe ich nach Rezepten aus Kochbüchern, aus den Weiten des Internets  oder aber nach Rezepten  von Freunden und Bekannten gekocht. Dann habe ich angefangen meine eigene Rezeptsammlung anzulegen (ganz offline in einem Ordner). Mit der Zeit hatte ich dann einiges im Kopf, so dass ich mich nach den Rezepten in meinem Kopf richten konnte. Meist läuft das dann so ab: Ich habe eine Idee oder ein Rezept und dann gehe ich die passenden Zutaten einkaufen.

Über die letzten Monate hinweg bin ich öfter mal in die Situation gekommen kulinarisch zu improvisieren. Kulinarische Improvisation heißt für mich mit den gegebenen  Umständen also Zutaten und Küchenwerkzeugen eine Idee zu entwickeln und diese zu kochen. Ich empfinde dies als einen durchaus kreativen Akt. Situationen, die kulinarische Improvisation erforderten, waren z.B. ein arg begrenztes Budget oder fehlende Zeit und Lust für den Einkauf von Lebensmitteln nach Rezept. Hier galt es dann mit dem auszukommen, was sich schon im Kühl- und Küchenschrank befindet. Am meisten Freude hat mir die kulinarische Improvisation im Rahmen von Kochaktionen für foodsharing Leipzig gemacht. Hier hatten die Foodsaver (Lebensmittelretter) Lebensmittel aus Leipziger Supermärkten gerettet, die eigentlich in der Tonne landen sollten. Daraus wurde dann ein Menu für das 25-jährige Jubiläum von Greenpeace Leipzig gekocht. Weiterlesen